DIRECTOR’S STATEMENT

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ANDREAS PICHLER

Für mich ist Venedig ein Symbol für die aktuelle Veränderung unserer Städte.

Ich bin in Südtirol, einer Region Norditaliens unweit Venedig aufgewachsen, welche heute zu den besucherstärksten Tourismusregionen der Alpen zählt. Dort habe ich mit angesehen, wie sich ganze Dörfer in wenigen Jahren durch den Tourismus radikal verändert haben. Dasselbe gilt für viele Städte, sei es Florenz, Innsbruck oder Heidelberg. Wo bis vor wenigen Jahren normales Leben herrschte, stehen jetzt vorwiegend touristische Infrastrukturen im Dienste des Massentourismus.

Aber nicht nur der Tourismus verändert die Städte. Zuletzt in Berlin sind ganze Stadtviertel radikalen und rasend schnellen Veränderungen unterworfen, weil Anleger aus ganz Europa in Berlin Wohnungen kaufen: Menschen werden gezwungen ihre Stadtviertel zu verlassen, weil die Entwicklung der Immobilienpreise sie dazu zwingt.

In Venedig findet das alles seinen wahrhaft spektakulären und dramatischen Ausdruck. Spektakulär, weil Venedig immer noch eine der schönsten Städte der Welt ist und die Touristenmassen dort im Verhältnis zur Einwohnerzahl in geradezu bizarrem Verhältnis stehen. Dramatisch, weil Venedig keine normale Stadt ist: jeder Venezianer, der seine Stadt verlässt um aufs Festland zu ziehen, lässt eine Lebensform zurück, die damit unwiederbringlich verschwindet.
Das Prinzip, das hinter dieser Art des Wirtschaftens steht, ist die Verwandlung des öffentlichen Raums zu einem Gut, mit dem einige wenige ihre privaten Geschäfte machen und die Verluste der Öffentlichkeit überlassen.

Am Ende steht das Szenario einer leeren, wackeligen Fassadenstadt,
einer Art Disneyland.

Die unübersichtlichen Machenschaften verschiedener Interessengruppen, haben das Ende der Politik als solcher eingeläutet und in großen Teilen der Bevölkerung ein tief empfundenes Gefühl der Hilflosigkeit verankert.
Viele Venezianer sehen die Probleme der Stadt sehr deutlich, aber nehmen sie nicht ernst. Es sind vor allem die älteren Bürger, die noch Energie und Standvermögen zeigen. Sie kommen mir vor, als wären sie direkt einem Stück des Venezianers Goldini entsprungen, der einst die “Commedia Italiana” schuf. Humorvoll, derb und direkt kommentieren sie den Niedergang ihrer alten Welt und machen klar, dass sie ihn jedenfalls überleben werden!