HINTERGRUND

DER FILM
DIRECTOR’S STATEMENT
HINTERGRUND
PROTAGONISTEN

DOKUMENTARFILM 2012 | 80 min
HD/35mm | 16:9

 
Vor 20 Jahren lebten noch 125.000 Menschen in Venedig, heute ist es weit weniger als die Hälfte, und es werden jedes Jahr ein paar tausend weniger.
Einer Studie zufolge wird es 2030 keine Venezianer mehr geben.
 
Dafür pendeln jeden Morgen mehrere tausend Menschen vom Festland nach Venedig, um dort zu arbeiten. Als Zimmermädchen, Kellner, Gepäckträger und sogar als Gondolieri. Die Stadt selbst wird zur Fassade, zum Freilichtmuseum, zum thematischen Vergnügungspark im Stile Disneylands, den Touristen überlassen.
 
Es ist eine direkte Folge des Massentourismus dem die Stadt seit Jahrzehnten ausgesetzt ist. Durchschnittlich kommen jeden Tag 65.000 Touristen nach Venedig und in Spitzenzeiten sind es 400.000. Ein Großteil von ihnen kommt mit einem der Kreuzfahrtschiffe, die täglich um die 10.000 Menschen in die Stadt gießen.
 
Die Folgen sind zahlreich. So verschwinden mit dem steten Sinken der Einwohnerzahlen und dem Vormarsch der touristischen Monokultur Schritt für Schritt lebensnotwendige Infrastrukturen für die Bewohner. Öffentliche Märkte, Supermärkte, viele Arten von Geschäften des täglichen Bedarfs, auch die Kinos werden geschlossen. Und obwohl die Zahl der Einwohner ständig sinkt, steigen die Immobilienpreise weiter. Denn die Häuser werden gewerblich genutzt oder als Zweitwohnungen an Auswärtige verkauft.
Die Architektur leidet massiv unter der Vibration der Motoren der Kreuzfahrtschiffe. Sie erzeugt Risse in Gemäuern und Brücken, Wasser dringt in die Mauern und macht sie porös. Der erhöhte, scharfe Wellengang wird aber nicht allein von den großen Schiffen erzeugt. Ganz allgemein herrscht auf den Kanälen Venedigs durch die vielen Hotels ein Motorverkehr, dem die alten Mauern nicht gewachsen sind.
 
Selbst von den positiven Folgen des Tourismus profitieren die übriggebliebenen Bewohner der Stadt kaum. Von den im Tourismus erwirtschafteten 1,5 Milliarden Euro pro Jahr fließt nur der kleinste Teil in die kommunalen Kassen zurück, der dann dazu dient, die Müllmassen abzutransportieren, die die Besucherströme hinterlassen haben. Der Großteil des Geldes fließt in die Kassen von international agierenden Reiseanbietern.